Kompass
Globales
Lernen

im Saarland

Bildungsangebote für eine global nachhaltige Zukunft – Datenbank für Lehrkräfte und Multiplikator*innen.

Globales Lernen und Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)

Globales Lernen“ als Namensgeber und zentraler – aber nicht exklusiver – Ansatz dieser Plattform wird hier zusammen mit dem ebenso zentralen Konzept der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) vorgestellt. Weitere Bildungsansätze, die auch auf eine nachhaltige Zukunft abzielen und hier ebenfalls repräsentiert sind, sind u.a. Umweltbildung, Demokratiebildung, Menschenrechtsbildung und interkulturelles Lernen.

Bildung in der Agenda 2030

Bildung ist ein Schlüsselelement für die Umsetzung der Agenda 2030 und die Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist explizit Inhalt des Globalen Nachhaltigkeitsziels Nr. 4 „Hochwertige Bildung“. BNE sensibilisiert für die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen unseres Lebensstils, verdeutlicht komplexe globale und systemische Zusammenhänge und zeigt individuelle und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten auf. Der werteorientierte Lernprozess soll dazu befähigen und ermutigen, das eigene Leben sowie die Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten.

Globales Lernen

Als pädagogische Antwort auf die Herausforderungen einer globalisierten Welt zielt auch Globales Lernen darauf ab, anhand lebensnaher Themen die Verbindung von globalen Zusammenhängen und dem eigenen Leben aufzuzeigen und ein reflektiertes, selbstbestimmtes und partizipatives Leben im globalen Kontext zu fördern. Maßgebend sind hierbei die Förderung von Weltoffenheit und Empathiefähigkeit, der Abbau von Stereotypen, die Herausforderung zu Perspektivwechsel und das einschließen unterschiedlicher natur-philosophischer Weisheiten über unser Miteinander als Weltgemeinschaft. Dabei geht es auch darum, kooperativ zusammen zu arbeiten und dies als Selbstverständlichkeit zu erfahren. Das Ziel der Agenda 2030, der BNE wie auch des Globalen Lernens ist eine friedliche und gerechte Weltgemeinschaft zu erreichen.

In der 2022 veröffentlichten „Europäischen Erklärung zum Globalen Lernen bis 2050“ wird Globales Lernen folgendermaßen definiert:

„Globales Lernen ist Bildung, die Menschen dazu befähigt, kritisch über die Welt und ihren Platz in ihr nachzudenken und ihre Augen, ihre Herzen und ihren Geist für die Realität der Welt auf lokaler und globaler Ebene zu öffnen. Es befähigt Menschen dazu, zu verstehen, sich vorzustellen, zu hoffen und so zu handeln, dass unsere Welt zu einer Welt der sozialen Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit, des Friedens, der Solidarität, der Gleichheit und Gleichberechtigung, der Nachhaltigkeit hinsichtlich unseres Planeten, und der internationalen Verständigung wird. Es geht dabei um die Achtung der Menschenrechte und die Achtung von Diversität und Inklusion, es geht um ein gutes Leben für alle, jetzt und in Zukunft.“

Beim Globalen Lernen fließen unterschiedliche Bildungsansätze ineinander, die sich gegenseitig ergänzen. So integriert das Globale Lernen Aspekte der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), der entwicklungspolitischen Bildung, der transformativen Bildung, der Demokratiebildung, wie auch der Menschenrechtsbildung und der interkulturellen Bildung. Es verortet sich als Teil der politischen Bildung und beinhaltet eine große Bandbreite an Bildungsmöglichkeiten: formal, non-formal, informell, lebenslang und lebensumfassend.

Projekte des Globalen Lernens nutzen ganzheitliche, interaktive und partizipative Lernmethoden, die Perspektivwechsel und kritische Reflexionen der eigenen Rolle in der Welt ermöglichen. Dabei wird großer Wert auf den Dreiklang des Erkennens von bestimmten Sachverhalten, Megatrends und Zusammenhängen gelegt, um den Teilnehmenden dann die Möglichkeit zu geben, diese für sich persönlich zu bewerten, in dem sie unter anderem nachspüren, wie sich unterschiedlich Betroffene in den Auswirkungen der benannten Sachverhalte fühlen und welche individuellen Handlungsspielräume sie jeweils haben, um im Anschluss zu einer weltbewussten, konstruktiven eigenen Handlung zu gelangen. Globales Lernen ist somit kompetenz- und handlungsorientiert und zeigt sowohl Möglichkeiten einer nachhaltigen Lebensgestaltung als auch einer demokratischen Beteiligung an einer zukunftsfähigen, global gerechteren und solidarischen Gesellschaft auf.

Letztendlich soll ein Bildungsprojekt des Globalen Lernens in erster Linie auch Freude bereiten, inspirieren und neugierig machen – neugierig auf das Leben, die Welt und den damit einhergehenden Möglichkeiten des Mitgestaltens – im Sinne einer Förderung allen Lebens auf unserer Erde.

 

Weltspiel

Geschichte des Globalen Lernens und der BNE:

Das Bildungskonzept des Globalen Lernens ist aus der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit einerseits und der Umweltbildung andererseits im Laufe der 80-und 90er-Jahre im Rahmen des Oberbegriffes Bildung für Nachhaltige Entwicklung entstanden. Während klassische entwicklungspolitische Bildung zum Ziel hatte, ausbeuterische, ungerechte Bedingungen in den Ländern des Globalen Südens (damals noch „Entwicklungsländer“ genannt) aufzuzeigen und sich für die Interessen der dort lebenden Menschen einzusetzen, kümmerte sich die klassische Umweltbildung wiederum in erster Linie um eine Verbesserung des Umweltschutzes in hiesigen Breiten (Mülltrennung, Wassersparen, Artenschutz…), ohne weltweite Zusammenhänge aufzubrechen und zu hinterfragen. Die Erkenntnis, dass wir beispielsweise mit dem Konsum von Gütern aus globalen Lieferketten auch eine Umweltverschmutzung in anderen Weltregionen bewirken, war in den Jahren vor der fortschreitenden Globalisierung noch nicht notwendigerweise absehbar.

Heute hat sich dieser Blickwinkel durch die Agenda 2030 der UN, den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen und dem damit einhergehenden Weltaktionsprogramm der UNESCO wesentlich verändert. Es wird nun versucht im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung und dem Globalen Lernen ganzheitlich auf die Welt und die globalen Megatrends zu schauen und in einer Bildungseinheit immer auch die damit einhergehenden Wechselwirkungen sowie verschiedene Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Programmatische Bezugsrahmen (Auswahl):

Bedeutende programmatische Bezugsrahmen des Globalen Lernens und der BNE sind unter anderem:

  • Das Rahmenprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung: die globalen Nachhaltigkeitsziele verwirklichen (BNE 2030)“ der UNESCO: Das Programm betont die Schlüsselrolle von BNE für die Verwirklichung der 17 SDGs. Großen Wert legt es außerdem auf den Whole Institution Approach und „dass wir lernen, wie wir leben, und leben, was wir lernen“. So sollen Nachhaltigkeitsprinzipien in alle Arten des Lernens integriert werden. Weitere zentrale Reflexionen sind die Wichtigkeit von bürgerschaftlichem Engagement als transformatives Handeln, die Rolle von BNE als Ermutigung, alternative Werte zur existierenden Konsumgesellschaft zu erforschen sowie die steigende Relevanz von kritischem Denken und von Nachhaltigkeitswerten im Hinblick auf die technologische Zukunft.
  • Die Roadmap zum Weltaktionsprogramm (WAP) der UNESCO: Das WAP verfolgt einen zweifachen Ansatz, um die Dynamik der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu steigern und BNE „vom Projekt zur Struktur“ zu bringen: „(1) Integration der nachhaltigen Entwicklung in die Bildung und (2) Integration der Bildung in die nachhaltige Entwicklung“. Dementsprechend verfolgt das Programm zwei Zielsetzungen: Neuorientierung sowie Stärkung der Rolle von Bildung und Lernen in allen Bereichen der nachhaltigen Entwicklung.
  • Die „Europäische Erklärung zum Globalen Lernen bis 2050“: Die Erklärung unterstreicht unter anderem einige Grundelemente, die das Globale Lernen umfasst: Verschiedene Grundwerte wie u.a. globale und lokale soziale Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und Nachhaltigkeitein Augenmerk auf die Wechselbeziehung zwischen lokalen und globalen Dimensionen von Themen sowie inklusive und partizipative sowie u.a. Hoffnung weckende pädagogische Praktiken.
  • DerOrientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ (Deutschland): der bereits 2008 von der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegebene Leitfaden gibt Lehrkräften von Grundschule bis berufliche Bildung eine klare Orientierung zur Integration von BNE und globalem Lernen in den jeweiligen Schulfächern und Lehrpläne und empfiehlt einen Whole School Approach. Bezog sich der Orientierungsrahmen in der ersten Fassung auf relativ wenige Schulfächer, deckt er in einer Neufassung von 2015 fast das ganze Fächerspektrum ab.